Die nachfolgende Zusammenfassung eignet sich als Struktur-Hilfe für die Vorbereitung und Erstellung von schriftlichen Klausuren insbesondere im Jg. 11.

Bildanalyse / Interpretation / Bildvergleich                       

Das zeichentheoretische Modell der Bildbetrachtung gründet sich auf der Erkenntnis, dass die visuelle Kommunikation als Informa­tionsaustausch mittels sichtbarer Zeichen stattfindet. Solche Zeichen sind gebunden an Medien wie Gemälde, Werbung, Film, Architektur etc., die jeweils ihre spezifische Formsprache haben. Die Zeichentheorie unterscheidet drei wesentliche Teilbereiche, welche den methodischen Aufbau einer Bildanalyse bestimmen:

1. Syntaktik - Zeichen und ihre formale Beziehung zu anderen Zeichen

2. Semantik - inhaltliche Bedeutung der Zeichen

3.  Pragmatik - Aussage, Wirkung, Beziehung zum Menschen, Funktion

Hieraus lässt sich folgende Fragestellung ableiten:

Wer sagt was zu wem, durch welches Medium, in welcher Absicht, unter welchen Umständen und mit welcher Wirkung?

Aufbau der Analyse:

1. Angaben zum Bild (vorikonographische Beschreibung)

Künstler, Titel, Jahr, Format/Größe, Standort/Museum

2. Beschreibung des sichtbaren Bestandes

Was wird uns mitgeteilt über:

Art und Menge der dargestellten Gegenstände, Menschen oder Tieren, deren Körpersprache, Mimik, Gestik, Bekleidung, Requisiten etc. Räumliche Gegebenheiten und Ambiente (Natur- oder Kulturbereich)?

Die sachliche Bestandsaufnahme der wesentlichen Bildelemente kann folgender Gliederung unterzogen werden:

a) Vorder-, Mittel-, Hintergrund

b)  in Leserichtung des Bildes

c) vom optischen Mittelpunkt zu angrenzenden Bildpartien oder je nach Aufbau und Schwerpunkt der Analyse.

An dieser Stelle sollte noch keine möglicherweise voreilige Deutung des Bildes.

Formale Analyse

Aufbau des Bildes, Farbigkeit, Licht und Schatten, Formsprache, Räumlichkeit, bildnerische Gestaltungsmittel, künstlerische Tech­nik, Beziehung der dargestellten Dinge und Menschen zueinander, zur Umgebung, Beziehung des Werkes zu seinem Umfeld.

Die Untersuchung der einzelnen Aspekte könnte folgendermaßen gegliedert werden:

a) Komposition, Bewegungslinien, ggf. mit Skizze (keine Motivskizze)

b) Farbigkeit (Gesamtkolorit, Schwerpunkte, Kontraste, Qualität)

c) Licht und Schatten, ggf. mit Hell-Dunkel-Skizze

d) Formsprache (Fläche, Linie, Struktur, Kontur etc.)

e) Proportionen der einzelnen Dinge und Menschen, ihr Verhältnis zueinander, zur Umgebung, zum Ganzen, zum Betrachter.

f)   Illusion der Räumlichkeit (perspektivische Besonderheiten, ggf. mit Skizze)

g)  Atmosphärische Eigenschaften

h)  Einsatz technischer Mittel, Wirkung des Mal- oder Zeichenmaterials, Präsentation des Werkes.

Inhaltliche/werkimmanente Analyse (ikonographische Bedeutung)

Themenstellung des Bildes, Films etc., ikonographische Besonderheiten, Analyse der Abhängigkeit von Form und Inhalt, Aufschlüsselung der Symbole, Allegorien, Attribute und Assoziationen mit verwandten Motiven. Welche Bildaussage ergibt sich aus den ermittelten Informationen? Die bisherigen Untersuchungen werden miteinander verknüpft. Die Einheit des Kunstwerks muss wieder deutlich werden. Jede Aussage muss begründet und auf die Teiluntersuchungen der formalen und ikonographischen Analysen rückführbar sein. Es wird versucht, die Absicht des Künstlers, seine künstlerischen Intentionen zu klären.

Werktranszendente Interpretation (ikonologische Bedeutung)

Welche Aussage ergibt sich unter Berücksichtigung aller verfügbaren Daten über die Person des Künstlers, die Umstände seines Schaffens, seine Einstellungen, die historischen Gegebenheiten, die Kunst seiner Zeit, die kunstgeschichtliche sowie geistesgeschichtliche Entwicklung?

Die verfügbaren Quellen (auch Aussagen des Künstlers zum Werk, zur Kunst allgemein), welche für die Interpretation von Bedeutung sind, werden kurz referiert.

Aufgrund der neuen Erkenntnisse wird das Bild interpretiert und seine Bedeutung (für das Gesamtwerk des Künstlers, für seine Zeit, für die kunstgeschichtliche Entwicklung, für den heutigen Betrach­ter erschlossen.

Schluß

Hier ist ein abschließendes Wort angebracht, eine persönliche Stellungnahme oder Einschätzung. Es kann eine Ausweitung des Themas unternommen werden (vergleichbare Bilder, Künstler, Motive etc.). Gleichfalls kann versucht werden, die Aussagerelevanz des Bildes für uns heute zu bemessen (Aktualisierung, analoge künstlerische Entwicklungen heute etc.).

Aufbau eines schriftlichen Bildvergleichs

Die obere Vorgehensweise kann beibehalten werden. Unter jedem Punkt können die beiden Bilder auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin untersucht werden, ggf. mit einer der Aufgabenstellung entsprechenden Gewichtung.

Liegt der Schwerpunkt der Analyse auf eines der Bilder, so wird dieses zunächst untersucht und erst im nachhinein mit dem Ver­gleichsbild in Beziehung gesetzt (Überprüfung der wesentlichen Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten).

Zu beachten ist die konkrete Aufgabenstellung; häufig beinhaltet sie einen Hinweis auf das methodische Vorgehen.